DeepL, N26, Scalable Capital: Deutsche Tech-Firmen werden profitabel
DeepL plant einen 5-Milliarden-Dollar-Börsengang. N26 schreibt erstmals schwarze Zahlen. Scalable Capital verwaltet 30 Milliarden Euro. 2026 wird zum Wendejahr.
Jahre lang galten deutsche Tech-Startups als chronisch unprofitabel: viel Venture Capital, wenig Umsatz, kein Gewinn. 2025 und 2026 ändert sich das Bild. DeepL bereitet einen Börsengang mit 5 Milliarden Dollar Bewertung vor. N26 schreibt erstmals schwarze Zahlen. Scalable Capital verwaltet über 30 Milliarden Euro. Die deutsche Tech-Szene wird erwachsen.
DeepL: 100.000 Kunden und ein 5-Milliarden-Börsengang
Das Kölner Übersetzungs-Startup DeepL ist das vielleicht erfolgreichste deutsche KI-Unternehmen. Gegründet 2017 von Jaroslaw Kutylowski, hat sich DeepL als die Übersetzungsplattform etabliert, die in vielen Sprachpaaren besser ist als Google Translate.
Die Zahlen sprechen für sich:
- 100.000+ Unternehmenskunden weltweit, darunter Zendesk, Nikkei, Coursera und die Deutsche Bahn
- Aktiv in über 60 Märkten weltweit
- Bewertung bei der letzten Finanzierungsrunde (Mai 2024): 2 Milliarden Dollar nach 300 Millionen Dollar Kapitalerhöhung
- Geplanter IPO 2026 an der Wall Street mit einer Zielbewertung von bis zu 5 Milliarden Dollar
DeepL hat sich bewusst gegen ein US-Listing im Jahr 2025 entschieden und den Börsengang auf 2026 verschoben. Die operative Entwicklung im ersten Halbjahr 2026, insbesondere das Wachstum der API-Nutzung in datenintensiven Industrien, gilt als entscheidender Gradmesser für die angestrebte Bewertung.
Was DeepL besonders macht: Das Unternehmen konkurriert nicht direkt mit den großen KI-Plattformen wie ChatGPT oder Claude, sondern hat sich auf eine Kernkompetenz spezialisiert und diese perfektioniert. Die Erweiterung um DeepL Write (KI-gestütztes Schreiben) und die wachsende API-Integration in Unternehmenssoftware schaffen zusätzliche Einnahmequellen.
Wenn der IPO gelingt, wäre es der größte deutsche Tech-Börsengang seit Jahren und ein starkes Signal für den Standort.
N26: Vom Problemkind zur profitablen Neobank
N26 hat eine turbulente Geschichte. Die Berliner Neobank wurde 2013 gegründet, wuchs rasant, kämpfte aber jahrelang mit Verlusten, regulatorischen Problemen und einer BaFin-Beschränkung, die das Kundenwachstum bremste. 2024 hat sich das Blatt gewendet.
Die Wende in Zahlen:
- Juni 2024: Erstmals ein profitabler Monat
- Q3 2024: Operativer Gewinn von 2,8 Millionen Euro
- 2024 Gesamtjahr: Bruttoumsatz 422 Millionen Euro (+36%)
- 2025: Erster Jahresgewinn erwartet, Ergebnis soll 2026 deutlich steigen
- Kunden: Über 5 Millionen umsatzrelevante Kunden in 24 Märkten
- Wachstum: Über 200.000 Neuanmeldungen pro Monat (mehr als 110% Steigerung)
Die BaFin-Beschränkungen, die N26 seit 2021 am Wachstum gehindert hatten, wurden aufgehoben. Seitdem beschleunigt sich das Kundenwachstum deutlich. N26 zeigt, dass europäische Neobanken profitabel sein können, auch ohne die Größe einer Revolut (45+ Millionen Kunden).
Scalable Capital: Europas Antwort auf Robinhood
Scalable Capital aus München hat sich vom Robo-Advisor zum führenden Neobroker Europas entwickelt. Die Plattform kombiniert automatisierte Geldanlage mit einem günstigen Online-Broker für ETFs, Aktien und Krypto.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Verwaltetes Vermögen | über 30 Mrd. Euro |
| Kunden | über 1 Million |
| Bewertung | ~1,5 Mrd. Euro |
| Letzte Finanzierung | 155 Mio. Euro |
| Banklizenz | EZB-Vollbanklizenz (seit Herbst 2025) |
Der entscheidende Schritt kam im Herbst 2025: Scalable Capital erhielt eine EZB-Vollbanklizenz. Damit kann das Unternehmen nicht nur Wertpapiergeschäfte abwickeln, sondern auch Einlagen verwalten. Das eröffnet neue Einnahmequellen und stärkt die Kundenbindung.
Die Vollbanklizenz ist ein strategischer Vorteil: Scalable Capital kann jetzt Tagesgeldkonten anbieten und die Einlagen der Kunden selbst verwalten, statt sie an Partnerbanken weiterzuleiten. Das erhöht die Marge pro Kunde erheblich.
Mit über 30 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen spielt Scalable Capital in einer Liga, die europäische Wettbewerber wie Trade Republic erst erreichen müssen.
Was hinter dem Profitabilitäts-Trend steckt
Die gleichzeitige Reifung mehrerer deutscher Tech-Unternehmen ist kein Zufall. Drei Faktoren treiben die Entwicklung:
1. Ende der Nullzins-Ära: Höhere Zinsen haben die "Growth at all costs"-Mentalität beendet. Investoren fordern jetzt Profitabilität statt reines Wachstum. Das hat deutsche Startups gezwungen, effizienter zu wirtschaften, und viele haben reagiert.
2. Skaleneffekte greifen: Unternehmen wie DeepL, N26 und Scalable Capital haben die kritische Masse an Kunden erreicht, ab der die Grenzkosten pro Neukunde sinken. Die Infrastruktur steht, jetzt zählt der Umsatz pro Nutzer.
3. Regulatorische Reife: Die BaFin-Probleme von N26 und die DSGVO-Anforderungen an DeepL waren kurzfristig schmerzhaft, haben aber langfristig robustere Geschäftsmodelle erzwungen. Europäische Regulierung wird zunehmend zum Wettbewerbsvorteil gegenüber US-Konkurrenten, die in Europa Compliance-Kosten haben.
Wer kommt als nächstes?
Die Pipeline deutscher Tech-Unternehmen, die auf Profitabilität und mögliche Börsengänge zusteuern, ist gut gefüllt:
- Celonis (München): Process-Mining-Plattform, Bewertung über 13 Milliarden Dollar
- Personio (München): HR-Software, über 8 Milliarden Dollar Bewertung
- Helsing (München): Defence-KI, 12 Milliarden Euro Bewertung nach Series D
- Trade Republic (Berlin): Neobroker, über 5 Milliarden Euro Bewertung
Wenn DeepL den Börsengang 2026 erfolgreich abschließt, könnte das eine Welle weiterer deutscher Tech-IPOs auslösen. Der Markt wartet auf ein Signal, dass deutsche Tech-Unternehmen nicht nur wachsen, sondern auch Geld verdienen können.
Fazit
Die Geschichte der deutschen Tech-Szene wird oft als eine des Scheiterns erzählt: keine Googles, keine Facebooks, zu wenig Unicorns. 2026 zeigt ein anderes Bild. DeepL bringt KI "Made in Germany" an die Wall Street. N26 beweist, dass eine europäische Neobank profitabel sein kann. Scalable Capital verwaltet Milliarden mit Banklizenz. Der Wandel von der Wachstumsphase zur Profitabilität ist der eigentliche Meilenstein, weil er zeigt, dass die Geschäftsmodelle funktionieren. Nicht nur die Ideen.
DeepL plant laut Medienberichten einen US-Börsengang (IPO) im Jahr 2026. Die Zielbewertung liegt bei bis zu 5 Milliarden Dollar. Der genaue Zeitpunkt hängt von der operativen Entwicklung im ersten Halbjahr 2026 ab.
N26 hat im Juni 2024 erstmals einen profitablen Monat und im Q3 2024 einen operativen Quartalsgewinn von 2,8 Millionen Euro erzielt. Für 2025 wird der erste Jahresgewinn erwartet, 2026 soll das Ergebnis deutlich steigen.
Scalable Capital hat seit Herbst 2025 eine EZB-Vollbanklizenz, verwaltet über 30 Milliarden Euro und bietet neben dem Broker auch Robo-Advisory an. Trade Republic ist stärker auf den Retail-Markt fokussiert und hat mehr Privatkunden, aber ein anderes Produktprofil.
Drei Hauptgründe: Das Ende der Nullzins-Ära zwingt zu Effizienz statt reinem Wachstum. Die Unternehmen haben die kritische Masse an Kunden erreicht. Und europäische Regulierung hat robustere Geschäftsmodelle erzwungen, die langfristig tragfähiger sind.