Wirtschaft & Kosten
·5 Min. Lesezeit

Max-Planck-Startups: 67 Milliarden Dollar aus dem Labor

14 Ausgründungen in einem Jahr, vier Unicorns und 67 Milliarden Dollar Gesamtbewertung. Warum Deutschlands Forschungsinstitute plötzlich erfolgreiche Unternehmen bauen.

Die Max-Planck-Gesellschaft kennen die meisten als Grundlagenforschung mit Nobelpreisen. Was kaum jemand weiß: Das Portfolio ihrer Ausgründungen hat eine Gesamtbewertung von über 67 Milliarden Dollar, vier Unternehmen haben Unicorn-Status erreicht, und 2025 wurden fast doppelt so viele Startups gegründet wie im Vorjahr. Deutschland hat ein Transferproblem, heißt es oft. Die Zahlen erzählen eine andere Geschichte.

14 Startups in einem Jahr: Was ist passiert?

2025 gründeten sich 14 neue Startups aus Max-Planck-Instituten heraus, fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Im European Spinouts Report 2025 belegt die Max-Planck-Gesellschaft den zweiten Platz unter allen europäischen Forschungsorganisationen, direkt hinter dem französischen CNRS.

Die Beschleunigung hat konkrete Ursachen:

  • MAX!mize: Ein Inkubationsprogramm, das Max-Planck-Wissenschaftler systematisch auf Ausgründungen vorbereitet
  • Max Planck Innovation: Die hauseigene Technologietransfer-Agentur, die Patente, Lizenzen und Gründungen betreut
  • Max Planck Foundation: Finanzielle Unterstützung in der Frühphase, bevor Venture Capital einsteigt
  • Kulturwandel: Eine wachsende Akzeptanz unter Forschern, dass Kommerzialisierung kein Widerspruch zu guter Wissenschaft ist

Die Max-Planck-Gesellschaft betreibt 84 Institute in Deutschland mit über 25.000 Mitarbeitern. Ihre Forschung hat 20 Nobelpreise hervorgebracht. Dass aus dieser Grundlagenforschung zunehmend Unternehmen entstehen, ist ein relativ neues Phänomen.

Die 67-Milliarden-Zahl: Welche Unternehmen zählen dazu?

Die Gesamtbewertung aller Max-Planck-Ausgründungen liegt bei über 67 Milliarden Dollar. Darunter sind vier Unicorns (Bewertung über 1 Milliarde Dollar). Einige der bekanntesten:

  • Proxima Fusion (Garching): Fusionsenergie-Startup, 200 Mio. Euro Finanzierung, baut Europas erstes Stellarator-Kraftwerk
  • planqc (München): Quantencomputer mit neutralen Atomen, 50 Mio. Euro Series A, Deutscher Gründerpreis 2025
  • BioNTech (Mainz): Zwar keine direkte MPG-Ausgründung, aber mit starken Wurzeln in der Max-Planck-Forschung und heute eines der wertvollsten deutschen Biotech-Unternehmen
  • Ovo Labs (München): Eines der jüngsten Deep-Tech-Spinoffs aus dem Max-Planck-Portfolio

Die Bandbreite reicht von Fusionsenergie über Quantencomputing bis zu Biotech und Materialwissenschaft. Das ist kein Zufall: Grundlagenforschung eröffnet Möglichkeiten in Bereichen, die für reine Software-Startups unerreichbar sind.

Deep-Tech-Finanzierung in Deutschland: 2,54 Milliarden Dollar

Die Max-Planck-Ausgründungen sind Teil eines größeren Trends. Deep-Tech-Startups in Deutschland haben 2025 insgesamt 2,54 Milliarden Dollar in 94 Finanzierungsrunden eingesammelt, ein Plus von 38,8 Prozent gegenüber 2024.

Die größten Runden 2025:

UnternehmenBereichFinanzierung
HelsingDefence-KI600 Mio. Euro (Series D)
Quantum-SystemsDrohnen340 Mio. Euro (2025 gesamt)
ParloaKI-Plattform350 Mio. Dollar (Series D)
Proxima FusionFusion200 Mio. Euro (Series A)
Isar AerospaceRaumfahrt150 Mio. Euro (Wandelanleihe)

Die Bundesregierung unterstützt diesen Trend mit dem Deutschlandfonds (30 Milliarden Euro) und einem neuen 1,6-Milliarden-Euro-Mandat des Europäischen Investitionsfonds für junge Tech-Unternehmen, gestartet im Januar 2026. Der Growth Fund Germany hat bereits 825 Millionen Euro in 41 VC-Firmen investiert, die damit 360 Startups unterstützen.

Warum Deutschland bei Deep Tech besser ist als bei Software

Deutschland hat kein Google, kein Meta und kein Spotify hervorgebracht. Bei Software-Plattformen hat Europa den Anschluss an die USA verloren. Aber bei Deep Tech sieht die Bilanz anders aus. Warum?

Forschungsinfrastruktur: Max-Planck, Fraunhofer, Helmholtz und die Leibniz-Gemeinschaft bilden ein Netzwerk, das weltweit einzigartig ist. Die Grundlagenforschung in Physik, Chemie, Biologie und Materialwissenschaft ist auf Weltklasseniveau.

Ingenieurstradition: Deep Tech braucht Hardware, Fertigungskompetenz und Systemintegration. Deutschland hat davon mehr als jedes andere europäische Land.

Hidden Champions als Ökosystem: Rund 1.600 Hidden Champions in Deutschland sind Weltmarktführer in ihren Nischen. Sie beschäftigen über 3,5 Millionen Menschen weltweit. Dieses Netzwerk mittelständischer Spezialisten bietet Deep-Tech-Startups Zulieferer, Kunden und Kooperationspartner, die in anderen Ländern fehlen.

Deutschland hat 16 Hidden Champions pro Million Einwohner. Das ist mehr als jedes andere Land der Welt. 67 Prozent davon sind Familienunternehmen. Sie investieren im Schnitt doppelt so viel in Forschung und Entwicklung wie vergleichbare Unternehmen.

Regulatorischer Vorteil: In Bereichen wie Medizintechnik, Energie und Verteidigung zählt europäische Zertifizierung. Deutsche Startups sind näher an EU-Regulierungen und können diese als Markteintrittsbarriere nutzen.

Was andere Länder von diesem Modell lernen

Das deutsche Modell "Grundlagenforschung wird Unternehmen" funktioniert besonders gut, wenn drei Bedingungen erfüllt sind:

  1. Wissenschaftliche Tiefe: Die Forschung muss auf einem Niveau sein, das nicht leicht kopiert werden kann
  2. Translationsinfrastruktur: Programme wie MAX!mize und Organisationen wie Max Planck Innovation müssen den Weg vom Labor zum Markt begleiten
  3. Kapitalverfügbarkeit: Venture Capital muss bereit sein, in Hardware und langfristige Entwicklungszyklen zu investieren

Die USA haben bei Punkt 3 traditionell einen Vorsprung. Aber 2025 hat gezeigt, dass europäische Investoren zunehmend bereit sind, in Deep Tech zu investieren. Die Mega-Runden von Helsing, Quantum-Systems und Proxima Fusion wären vor fünf Jahren in Europa nicht möglich gewesen.

Fazit

Die Max-Planck-Gesellschaft wandelt sich vom reinen Grundlagenforschungsinstitut zum Startup-Inkubator. 14 Ausgründungen in einem Jahr, 67 Milliarden Dollar Portfolio-Bewertung und ein Deep-Tech-Ökosystem, das international konkurrenzfähig ist. Zusammen mit den 1.600 Hidden Champions und steigender VC-Finanzierung hat Deutschland eine Basis, auf der Weltklasse-Unternehmen in Bereichen wie Fusion, Quantum und Biotech entstehen können. Das ist keine Zukunftsmusik, sondern bereits Realität.

Ein Unternehmen, das auf Forschungsergebnissen eines Max-Planck-Instituts basiert und von dessen Wissenschaftlern gegründet wird. Max Planck Innovation unterstützt bei Patenten, Lizenzierung und Gründungsprozess.

Proxima Fusion (Fusionsenergie), planqc (Quantencomputer) und Ovo Labs gehören zu den aktuellsten. Insgesamt umfasst das Portfolio über 400 Ausgründungen mit einer Gesamtbewertung von 67 Milliarden Dollar.

Mittelständische Unternehmen, die in ihren Nischen Weltmarktführer sind, aber der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt. Deutschland hat rund 1.600 davon, mehr als jedes andere Land. Beispiele sind Firmen wie Trumpf (Laser), Kärcher (Reinigungstechnik) oder Würth (Befestigungstechnik).

2025 sammelten deutsche Deep-Tech-Startups 2,54 Milliarden Dollar ein (+38,8% zum Vorjahr). Zusätzlich stellt die Bundesregierung über den Deutschlandfonds 30 Milliarden Euro und ein neues 1,6-Milliarden-Euro-EIF-Mandat bereit.