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Quantencomputer made in Germany: planqc und der 1000-Qubit-Plan

planqc baut einen 1000-Qubit-Quantencomputer mit neutralen Atomen für das Leibniz-Rechenzentrum. Warum der deutsche Ansatz die Branche überrascht.

Während IBM, Google und Amazon um die Schlagzeilen im Quantenrennen kämpfen, baut ein Münchner Startup still einen eigenen Weg. planqc entwickelt Quantencomputer mit neutralen Atomen, hat den Deutschen Gründerpreis 2025 gewonnen und liefert einen 1000-Qubit-Rechner an das Leibniz-Rechenzentrum. Ein Blick auf Deutschlands vielversprechendsten Quanten-Player.

Neutralatom-Technologie: Was planqc anders macht

Die meisten bekannten Quantencomputer arbeiten mit supraleitenden Qubits. Das bedeutet: Sie brauchen extreme Kühlung nahe dem absoluten Nullpunkt, massive Infrastruktur und verbrauchen viel Energie. IBM, Google und Rigetti setzen auf diese Technologie.

planqc geht einen anderen Weg. Das Unternehmen nutzt neutrale Atome, die in sogenannten optischen Gittern mit Laserlicht festgehalten werden. Jedes einzelne Atom dient als Qubit. Der entscheidende Vorteil: Diese Systeme laufen bei Raumtemperatur, sind energieeffizienter und lassen sich leichter skalieren.

Neutrale Atome sind Atome ohne elektrische Ladung. Sie werden mit Laserstrahlen in einem regelmäßigen Gitter positioniert und durch präzise Lichtpulse gesteuert. Diese Methode erlaubt es, viele Qubits dicht zu packen, ohne dass sie sich gegenseitig stören.

Die Neutralatom-Technologie hat in den letzten Jahren international an Dynamik gewonnen. Auch das französische Startup Pasqal und das US-Unternehmen Atom Computing setzen darauf. planqc unterscheidet sich durch die enge Anbindung an das Max-Planck-Institut für Quantenoptik (MPQ), wo die zugrunde liegende Physik über Jahrzehnte erforscht wurde.

Vom MPQ-Labor zum 1000-Qubit-Rechner

planqc wurde 2022 als erstes Spinoff des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik in Garching gegründet. Im Münchner Quantum Valley, einem wachsenden Cluster für Quantentechnologie, hat das Unternehmen seine Heimat gefunden.

Die wichtigsten Meilensteine:

  • 2022: Gründung als MPQ-Spinoff
  • 2024: 50 Millionen Euro Series-A-Finanzierung
  • 2024: 29-Millionen-Euro-Vertrag mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
  • 2024: Auftrag zum Bau eines 1000-Qubit-Quantencomputers für das Leibniz-Rechenzentrum (LRZ), gefördert mit 20 Millionen Euro durch das BMBF
  • 2025: Gewinn des Deutschen Gründerpreises in der Kategorie StartUp

Das Geschäftsmodell steht auf drei Säulen: Hardware-Verkauf, cloudbasiertes Quantum Computing as a Service und Softwareentwicklung. Die Jury des Gründerpreises hob besonders die klare Skalierbarkeit hervor.

Das MAQCS-Projekt: 1000 Qubits für die Forschung

Das Herzstück der aktuellen Arbeit ist das Projekt MAQCS (Multicore Atomic Quantum Computing System). Im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung baut planqc zusammen mit dem MPQ einen universell programmierbaren Quantencomputer für das Leibniz-Rechenzentrum in Garching.

Das System wird eine Multi-Core-Architektur mit zwei unabhängigen Kernen nutzen, die zusammen 1000 Qubits umfassen. Während ein Kern rechnet, kann der andere zurückgesetzt werden. Das reduziert Wartezeiten und steigert die effektive Rechengeschwindigkeit erheblich.

MerkmalMAQCS
Qubits1000 (2 x 500)
TechnologieNeutrale Atome in optischen Gittern
ArchitekturMulti-Core (parallele Verarbeitung)
StandortLeibniz-Rechenzentrum, Garching
Förderung20 Mio. Euro (BMBF)
Fertigstellung2027

Der Quantencomputer wird in die bestehende Hochleistungsrechner-Infrastruktur des LRZ integriert und als Beschleuniger für wissenschaftliche Simulationen dienen. Ausgewählte Forscher erhalten Zugang für Projekte in Materialwissenschaft, Klimamodellierung und Optimierungsprobleme.

Partner aus Industrie und Raumfahrt

planqc arbeitet nicht nur im akademischen Raum. Das Unternehmen hat Kooperationen mit Airbus, der ESA, den Fraunhofer-Instituten und der Beratungsfirma d-fine aufgebaut. Die Zusammenarbeit konzentriert sich auf industrielle Anwendungen: Materialentwicklung, Klimasimulation und Mobilitätsoptimierung.

Der DLR-Vertrag über 29 Millionen Euro zeigt, dass auch die deutsche Raumfahrt auf Quantencomputing setzt. Quantenalgorithmen könnten bei der Berechnung von Satellitenbahnen, Kommunikationsprotokollen und Sensoroptimierung Vorteile bringen.

planqc beschäftigt mittlerweile über 100 Mitarbeiter und hat insgesamt rund 50 Millionen Euro an privater Finanzierung eingesammelt. Damit gehört das Unternehmen zu den am besten finanzierten Quanten-Startups in Europa.

Deutschland im globalen Quantenrennen

Deutschland investiert über die Quantenstrategie des Bundes rund 3 Milliarden Euro in Quantentechnologien. Neben planqc gibt es weitere deutsche Akteure: IQM (supraleitende Qubits, finnisch-deutsch), eleQtron (Ionenfallen-Technologie aus Siegen) und Q.ant (Photonik aus Stuttgart).

Im globalen Vergleich liegt Deutschland bei der Grundlagenforschung vorne, bei der Kommerzialisierung aber hinter den USA und China. planqc ist eines der wenigen europäischen Startups, das den Sprung vom Labor zum industriellen Produkt tatsächlich vollzieht, mit konkretem Kundenauftrag, Zeitplan und Integration in bestehende Infrastruktur.

Fazit

planqc zeigt, dass Deutschland im Quantencomputing mehr kann als Grundlagenforschung. Mit der Neutralatom-Technologie aus dem Max-Planck-Institut, 1000 Qubits für das Leibniz-Rechenzentrum und Partnerschaften mit Airbus und ESA hat das Startup eine Position aufgebaut, die international beachtet wird. Der Gründerpreis 2025 war die Bestätigung, der MAQCS-Rechner bis 2027 wird der eigentliche Beweis.

IBM und Google nutzen supraleitende Qubits, die extrem gekühlt werden müssen. planqc verwendet neutrale Atome, die bei Raumtemperatur arbeiten. Das macht die Systeme energieeffizienter und potenziell besser skalierbar.

Das MAQCS-Projekt läuft bis 2027. Dann soll der Quantencomputer am Leibniz-Rechenzentrum in Garching in Betrieb gehen und für ausgewählte Forscher zugänglich sein.

1000 Qubits reichen noch nicht für die grossen Versprechen wie das Knacken von Verschlüsselungen. Aber sie ermöglichen erste praxisrelevante Simulationen in der Materialforschung, Chemie und Optimierung, die klassische Computer nicht effizient lösen können.

Durch eine Kombination aus privater Finanzierung (50 Mio. Euro Series A), öffentlicher Förderung (20 Mio. Euro BMBF, 29 Mio. Euro DLR-Vertrag) und Industriekooperationen. Das Geschäftsmodell umfasst Hardware-Verkauf, Cloud-Dienste und Softwareentwicklung.