OroraTech: Münchner Startup überwacht Waldbrände aus dem All
OroraTech betreibt die weltweit erste Satellitenkonstellation zur Waldbranderkennung. Zehn Satelliten im Orbit, Erkennung ab 4x4 Meter, Kunden von den USA bis Kolumbien.
2023 brannten weltweit rund 12 Millionen Hektar Wald. In Kanada, Griechenland, Hawaii. Die Erkennung von Bränden dauert oft Stunden, manchmal Tage. Ein Münchner Startup will das ändern: OroraTech hat die weltweit erste Satellitenkonstellation zur Echtzeit-Waldbranderkennung ins All gebracht und erkennt Brände ab einer Fläche von 4 mal 4 Metern.
Das Waldbrand-Problem in Zahlen
Waldbrände verursachen jährlich wirtschaftliche Schäden in zweistelliger Milliardenhöhe und setzen enorme Mengen CO2 frei. Das größte Problem ist die Reaktionszeit: Je früher ein Brand erkannt wird, desto einfacher und günstiger ist die Bekämpfung. Konventionelle Methoden wie Feuerwachtürme, Flugzeugpatrouillen oder Bodenmelder decken nur Bruchteile der gefährdeten Flächen ab.
Bestehende Erdbeobachtungssatelliten wie die der NASA können Brände zwar aus dem Orbit erkennen, aber ihre Überflugzeiten sind lang und ihre Auflösung begrenzt. Es kann Stunden dauern, bis ein Feuer entdeckt wird. OroraTech löst dieses Problem mit einer dedizierten Konstellation, die ausschließlich für Thermaldaten gebaut wurde.
Was OroraTech anders macht
OroraTech nutzt Thermalinfrarot-Kameras in zwei Spektralbändern: mittleres Infrarot (MWIR) für hochintensive Flammen und langwelliges Infrarot (LWIR) für schwelende Glut mit niedrigerer Temperatur. Die native Auflösung liegt bei 200 Metern pro Pixel, wird aber durch KI-gestützte Super-Resolution-Algorithmen auf eine Erkennung von Hitzequellen ab 4 x 4 Metern heruntergerechnet.
Thermalinfrarot erkennt Wärmestrahlung, nicht sichtbares Licht. Das bedeutet: OroraTech kann Brände auch nachts, durch Rauch und bei Bewölkung identifizieren, lange bevor sie mit dem bloßen Auge sichtbar wären.
Die Satelliten fliegen in einem sonnensynchronen Orbit auf rund 550 Kilometern Höhe. Das garantiert gleichmäßige Beleuchtungsbedingungen und regelmäßige Überflüge. Seit Januar 2026 testet OroraTech zudem in Zusammenarbeit mit Kepler Communications die erste thermale Livestream-Übertragung der Erde: Daten werden direkt im Orbit verarbeitet und über optische Kommunikationslinks in Echtzeit zur Erde gesendet.
Vom TU-München-Projekt zum Satellitenbetreiber
OroraTech wurde 2018 in München gegründet, als Ausgründung der Technischen Universität München. Was als Forschungsprojekt begann, ist heute ein Unternehmen mit internationaler Kundschaft und eigener Satellitenflotte.
Die wichtigsten Meilensteine:
- 2018: Gründung in München
- März 2025: Start von 8 CubeSats (OTC-P1) mit einer Rocket-Lab-Rakete von Neuseeland
- Januar 2026: Start von 4 SAFIRE-Gen4-Sensoren auf Kepler-Satelliten via SpaceX
- 2025: US-Expansion mit neuem Büro in Denver
- 2025: Series-B-Finanzierung auf 37 Millionen Euro erweitert, Gesamtinvestitionsvolumen über 80 Millionen Euro
Aktuell betreibt OroraTech zehn eigene thermische Satelliten im Orbit. Damit hat das Unternehmen die größte private Thermalinfrarot-Konstellation der Welt. Kein anderer Betreiber hat so viele dedizierte Wärmekameras im All.
Kunden weltweit: Von Idaho bis Kolumbien
OroraTechs Plattform wird bereits operativ eingesetzt:
- USA: Die Forstverwaltung des Bundesstaats Idaho nutzt OroraTech zur Brandfrüherkennung
- Kolumbien: Die Regierung setzt die Technologie in einem nationalen Anti-Waldbrand-Programm ein
- Griechenland: Nach den verheerenden Bränden 2023 wurde OroraTech als Frühwarnsystem integriert
- Kanada: Einsatz während der Rekordbrandsaison
Das Unternehmen hat in den letzten zwölf Monaten kommerzielle Verträge und Venture Capital im Wert von fast 100 Millionen Euro abgeschlossen. Das Geschäftsmodell basiert auf einer SaaS-Plattform: Kunden zahlen für den Zugang zu Echtzeit-Thermaldaten und Waldbrand-Risikoanalysen über ein Web-Dashboard.
OroraTech liefert nicht nur Branderkennung, sondern auch Risikovorhersagen. Die Plattform kombiniert Satellitendaten mit Wetter-, Vegetations- und topografischen Daten zu einem Frühwarnsystem, das Brände erkennen kann, bevor sie ausbrechen.
Was das für die deutsche Raumfahrtbranche bedeutet
OroraTech ist Teil einer wachsenden Welle deutscher Raumfahrt-Startups. Zusammen mit Isar Aerospace (Raketenbau), Mynaric (Laserkommunikation) und Reflex Aerospace (Satellitenproduktion) entsteht rund um München ein Space-Tech-Cluster, das zunehmend international wahrgenommen wird.
Das Besondere an OroraTech: Das Unternehmen löst ein reales, dringendes Problem. Waldbrände nehmen durch den Klimawandel zu, die wirtschaftlichen Schäden steigen, und bestehende Erkennungsmethoden reichen nicht aus. Eine Lösung, die vom Münchner Uni-Campus ins All und in die Einsatzzentralen von Feuerwehren weltweit gelangt, ist keine typische Startup-Story.
Fazit
OroraTech zeigt, was passiert, wenn deutsche Ingenieurskunst auf ein globales Problem trifft. Zehn Satelliten im Orbit, Kunden auf vier Kontinenten und eine Technologie, die Waldbrände erkennt, bevor sie außer Kontrolle geraten. Das Unternehmen hat den schwierigsten Teil bereits geschafft: funktionierende Hardware im All und zahlende Kunden am Boden. Die nächsten Schritte sind der Ausbau der Konstellation und der thermale Livestream der Erde in Echtzeit.
Die Erkennung hängt von den Überflugzeiten der Satelliten ab. Mit der aktuellen Konstellation aus zehn Satelliten liegt die Revisit-Time bei wenigen Stunden. Mit dem geplanten Ausbau und der Echtzeit-Übertragung via Kepler-Netzwerk soll die Erkennung auf Minuten sinken.
Die KI-gestützte Super-Resolution-Technologie erkennt Hitzequellen ab 4 x 4 Metern, obwohl die native Sensorauflösung bei 200 Metern pro Pixel liegt. Das reicht aus, um Brände im Frühstadium zu identifizieren.
OroraTech arbeitet mit einem SaaS-Modell. Die genauen Preise hängen vom Abdeckungsgebiet und dem gewünschten Service-Level ab. Kunden sind vor allem staatliche Forstverwaltungen, Versicherungen und Infrastrukturbetreiber.
Ja, die NASA betreibt das FIRMS-System zur Branderkennung, aber mit deutlich geringerer Revisit-Time und Auflösung. Unternehmen wie Planet Labs bieten optische Erdbeobachtung an, aber keine dedizierten Thermalinfrarot-Konstellationen. OroraTech ist der einzige private Betreiber mit einer spezialisierten Waldbrand-Satellitenkonstellation.